Zitronenbaum mit prallen Früchten, Holzkiste voller Zitronen und eine Karaffe Limonade im Sonnenlicht – Symbolbild für das Leben mit Herausforderungen.

Über diesen Blog

Hola, ich bin der Bastian und das hier ist mein ganz privater Blog. 

Tatsächlich blogge ich auch beruflich. Denn in meinem Leben gibt es einige interessante Facetten. Grund dafür ist eine progressive, also fortschreitende Muskelschwäche. Diese schwächt alle Muskeln in meinem Körper. Inklusive der Muskulatur für die Atmung. Und ja, auch das Herz ist ein Muskel. Was das bedeutet, können sich jetzt alle selbst herleiten …
Genau! Ich werde irgendwann an den Auswirkungen dieser Erkrankung sterben. Aber das ist in Ordnung. Denn — Überraschung — niemand von uns überlebt diese unglaubliche Erfahrung, die sich Leben nennt.

Jetzt könnte ich natürlich heulend in der Ecke sitzen und mich darüber aufregen, wie unfair das Leben ist, und permanent fragen: „Warum ausgerechnet ich?!?“

Aber: Überraschung, die zweite! Das Leben ist nicht fair. Und selbst wenn ich eine Antwort auf die eben gestellte Frage bekommen würde, sie würde nichts an meiner Lebenssituation ändern. Gar nichts!

Wenn das Leben dir Zitronen gibt …

Es gibt diesen schönen Spruch „Wenn das Leben dir Zitronen gibt, dann mach daraus Limonade!“ Das Leben hat mir bereits so einige Zitronen gegeben. Ich würde sogar so weit gehen, die Behauptung aufzustellen, dass ich einen durchaus gut gewachsenen Zitronenbaum in meinem Garten habe. Heißt also, ich habe ausreichend Ressourcen, um ein ansehnliches Limonaden-Business aufzuziehen. Etwas, wozu mir meine Mutter immer geraten hat — also, nicht ins Getränkegeschäft einzusteigen, sondern eben meine ganz persönliche Lebenssituation und die daraus resultierenden Umstände zu nutzen.

Nachdem ich den durch unsere Gesellschaft vorgelebten und ehemals tief internalisierten Ableismus überwunden habe (alleine dieser Halbsatz bietet Zitronen/Ressourcen/Stoff für mindestens zwei eigene Blogbeiträge), mache ich das inzwischen auch. Ich bin Journalist und Medienunternehmer. Dabei nutze ich meine ganz besondere Perspektive vom Rollstuhl aus auf das Leben. Ich kreiere also Content über Themen, die zwar nicht wenige betreffen, aber über die nur wenige etwas machen. Nicht etwa, weil diese Themen uninteressant wären — im Gegenteil, da ist, wie einer meiner Lieblingsautoren sagen würde, viel Schönes dabei — aber die meisten, die diese Themen ebenfalls direkt betreffen, haben mit anderen Herausforderungen zu kämpfen, als das Ganze informativ und unterhaltsam mit der Welt zu teilen.

Die aufmerksame Leserin beziehungsweise der aufmerksame Leser (oder, wie ich in einer, zugegebenermaßen, sehr speziellen, genderneutralen Ausdrucksweise auch sehr schön finde: die aufmerksamen Lesys) stellen nun an dieser Stelle zwei Dinge fest:

  1. Ich mag längere Sätze und da dies hier mein ganz privater Blog ist, nutze ich sie auch — statt bewusst lesefreundlich und, von Algorithmen getrieben, „internetkonform“ zu formulieren.
  2. Ich bin wohl ziemlich privilegiert.

… dann ermögliche dir damit deine Träume

Beides würde ich sofort unterschreiben. Zwar haben mir meine Eltern keine Millionen vererbt, aber sie haben mich immer im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützt, vieles möglich gemacht, was andere für unmöglich hielten, und mir einiges an immateriellen Dingen — also Einstellungen und Werte — mitgegeben. Darüber hinaus haben wir bis heute ein gutes Verhältnis.
Alle in der Familie; mein kleiner beziehungsweise genau genommen lediglich jüngerer Bruder (früher habe ich immer gescherzt, er hat körperlich all das bekommen, was mir fehlt — inklusive Kraft und Größe) eingeschlossen.

Abgesehen von der Grunderkrankung (ja genau, die tödliche Muskelschwäche) und den daraus resultierenden körperlichen Folgen, geht es mir gesundheitlich ziemlich gut.
Da wir in einer Zeit leben, in der es wirklich krasse technische Möglichkeiten gibt, kann ich trotz meiner ganzen Einschränkungen meinen Lebensunterhalt selbstständig verdienen.
Darüber hinaus hatte ich das wahnsinnige Glück, in Deutschland geboren worden zu sein. Das bedeutet — zumindest theoretisch — nicht nur erhebliche Freiheiten in der europäischen Union, sondern auch, die Vorzüge, eines zwar sehr angeschlagen, aber trotzdem immer noch von vielen Teilen der Welt beneideten, Gesundheitssystems und eines Sozialstaates leben zu dürfen. Auch darüber sicherlich an anderer Stelle noch einmal mehr. Ebenso wie zu meinem Leben mit rund um die Uhr Assistenz an meiner Seite und mit einer Magensonde. Letztere bietet vor allem den Vorteil, dass ich — wenn ich will — monatlich mit nur zehn Euro Ausgaben für mein Essen aus dem Schneider bin.

Last but not least, habe ich das unglaubliche Glück, dass ich mittlerweile seit Jahren den besten Boyfriend ever in meinem Leben habe. Ein fantastischer Mensch, von dem ich — wie ich heute weiß — als kleiner Junge geträumt habe und der lebende Beweis dafür, dass das Leben sogar noch besser sein kann als wir uns in unseren kühnsten Träumen ausmalen. Wenn wir dem Leben denn eine Chance geben.

Genau darum soll es in diesem Blog gehen; ohne Redaktionsplan und regelmäßige Veröffentlichungstermine: Erlebnisse im Laufe eines — auf den ersten Blick — unmöglichen Lebens, die definitiv dazu führen, dass ich, wann auch immer es vorbei sein wird (und ich hoffe, offen gestanden, dass es bis dahin noch lange, lange dauert — denn ich habe noch einiges vor) und welche Entität auch immer mich dann vielleicht fragen wird, was ich aus meinem Leben gemacht habe, ich sagen kann:

„Ich hab alles mitgenommen…“

Hier geht es zu den Geschichten aus meinem Leben.