Alles mitgenommen in Wolfsburg – Luxus, Sterne und Motorengebrüll

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Im letzten Beitrag über die Zeit in Wolfsburg hatte ich ja berichtet, dass es an den Abenden, als wir dort waren, regulär keine Vorstellung im örtlichen Planetarium gab.

Ich machte also etwas, das ich seitdem immer wieder mal mache, wenn ich mir etwas vorgenommen habe, das so aber entweder überhaupt nicht oder nicht rollstuhlgerecht angeboten wird: ich lasse meine Assistenz im Büro eine E-Mail schreiben und fragen, ob dieses oder jenes nicht doch möglich gemacht werden könnte – natürlich, dafür leben wir nun mal in der Gesellschaftsordnung in der wir eben leben – gegen entsprechende Bezahlung. 

Meiner Erfahrung nach geht es dann irgendwie doch immer. Meistens sogar günstiger als ich erwartet habe. Vielleicht sind meine Sonderwünsche auch einfach nicht besonders genug …

Auf jeden Fall fand ich die Preise bisher immer fair. Zumindest fast immer. Ein einziges Mal habe ich es nach einer solchen Anfrage dann gelassen. Das war mir der eigene Weihnachtsbaum auf dem Hotelzimmer dann letztendlich nicht wert – aber das ist eine andere Geschichte.
Für diesen Abend schien mir der Preis jedoch durchaus fair und so buchte ich uns eine private Vorführung im Planetarium Wolfsburg.

Von Projektoren und Köchen

Wir hatten Glück. Der Direktor des Planetariums höchstpersönlich führte uns durch die künstliche Nacht mit bester Sicht auf die Gestirne. Im Anschluss erklärte er uns sogar noch detailliert die Technik. Der große Projektor, der mehrere Zehntausende Euro gekostet hatte, war schon sehr imposant. 

Leider mussten wir wieder zurück ins Hotel, um unser Abendessen nicht zu verpassen. Außerdem wollten wir uns noch mit Freunden auf einen Drink (natürlich alkoholfrei – don’t drink and drive 😉 treffen.
Nach dem Abendessen kamen wir noch mit dem Koch ins Gespräch. Ich erklärte ihm ein wenig die Hintergründe zu meinen besonderen Bedürfnissen bei der Essenszubereitung. Er war wirklich interessiert und empfand das für seine Arbeit nicht als nervig, sondern verstand es mehr als Herausforderung, insbesondere mir Genussmomente zu bereiten. Etwas, das ich seitdem tatsächlich schon öfters erlebt habe. Köche sind Profis. Viele von ihnen lieben ihren Beruf wirklich und haben Spaß daran, Menschen mit dem Ergebnis ihrer Arbeit eine Freude zu machen. Und so verabschiedete sich auch unser Koch mit den Worten, dass wir uns melden sollten, wenn er irgendetwas tun könne, um unseren Aufenthalt angenehmer zu gestalten. Am nächsten Tag wäre er ab 13:00 Uhr im Haus und etwa ab 14:00 Uhr auf der Club-Etage. Wie ernst er dieses Angebot wirklich meinte, sollte ich am nächsten Tag merken.
Aber zunächst hatten wir noch einen schönen Abend vor uns. Mit den Freunden gab es Virgin Colada – mit meinem Freund später wieder auf dem Zimmer blieb es nicht ganz so jungfräulich…

Eine verrückte Idee

Vor dem Einschlafen schwärmte er noch von dem Kamin in der Club-Lounge – das brachte mich auf eine Idee!
Am nächsten Tag hatte ich dann doch noch ein paar Termine und mein Freund nutzte die Zeit, um die vorweihnachtliche Autostadt zu erkunden. So konnte ich ganz unbemerkt an der Rezeption darum bitten, mit unserem persönlichen Gastgeber, dem Koch aus der Club-Lounge, zu sprechen, wenn er Zeit hätte.
Es war gerade einmal 13:10 Uhr als er in der Lobby auf mich zukam. Ich saß gerade mit ein paar Leuten zusammen und entschuldigte mich kurz. Es war, wenn ich mich nicht irre, Dale Carnegie, der den Leitspruch geprägt haben soll: „Sag, was du denkst und du bekommst, was du willst.“
Also teilte ich meine Idee mit ihm und machte dabei auch ganz deutlich, dass ich es absolut verstehen würde, wenn das verrückt, zu spontan oder einfach zu viel verlangt wäre. Aber er lächelte nur und meinte, dass er sich darum kümmern würde.

(Übrigens: Ich benutze in diesem Blog bewusst keine Namen anderer Menschen. Schließlich ist es meine Entscheidung, diese Geschichten hier zu teilen. Und da möchte ich niemanden einfach so ungefragt erwähnen. Seid euch also bitte gewiss, dass ich nicht aus Ignoranz immer bloß vom „Koch“ spreche, sondern aus dem Gegenteil heraus.)

Candlelight Dinner

Am Abend war es dann soweit. Nachdem mein Freund und ich uns nach dem für uns beide interessanten Tag etwas frisch gemacht hatten, traten wir unseren Kurztrip mit dem Fahrstuhl von der ersten in die vierte, die Club-Etage an. Dort erwartete uns direkt vor dem Kamin, über den er noch am Vorabend geschwärmt hatte, ein Tisch für zwei. Mit Kerzen und nur einem Stuhl. Schließlich habe ich meinen eigenen immer dabei.

Unser Koch und sein Team servierten uns an diesem Abend ein extra auf uns abgestimmtes 4-Gang-Menü. Es gab unter anderem rote Paprika, Polenta, Lachs und Erdbeeren. Für meinen Freund herkömmlich zubereitet. Für mich püriert. Es war dem Küchenchef dabei ganz besonders wichtig gewesen, dass wir beide dasselbe zu essen bekommen würden. Damit wir uns auch darüber austauschen könnten.
Ein wirklich ganz besonderer Abend, der nicht nur zeigte, wie sehr unser Koch Gastfreundschaft lebte, sondern auch welche Möglichkeiten Mitarbeitende bei The Ritz-Carlton haben, auf Ihre Gäste einzugehen. Tatsächlich habe ich mal gehört, dass die Hotelkette in einer Studie evaluiert hat, dass ihre Gäste im Laufe ihres Lebens durchschnittlich 200.000,- $ bei ihnen ausgeben. Davon bin ich zwar noch weit entfernt, aber wir wissen ja nicht, was das Leben noch so für uns bereithält. Auf jeden Fall lohnt es sich also, wenn sich die Gäste wohlfühlen und gerne  wiederkommen. Deshalb ist es wohl so, dass bei The Ritz-Carlton sämtliche Mitarbeitende, egal ob General Manager oder Reinigungskraft, ohne Rücksprache mit irgendwelchen Vorgesetzten bis zu 1.000,- $ ausgeben dürfen, wenn Gäste sich mit einem Problem an sie wenden oder sie den Gästen durch eine Aufmerksamkeit einen unvergesslichen Ritz-Carlton-Moment schaffen können. Wir haben über die Jahre schon mehrere solcher Ritz-Carlton-Momente erleben dürfen. Auch bei einem eklatanten Problem wurde mir schon geholfen – dazu gleich mehr.

Der Beginn unserer Reise in die Welt der Ritz-Carlton-Momente war aber definitiv dieses Candlelight Dinner von unserem Koch, mit dem ich immer noch sporadisch in Kontakt bin und den wir auch noch einmal wieder gesehen haben. Allerdings nicht mehr im The Ritz-Carlton Wolfsburg – auch dazu gleich mehr.

Ich habe mir übrigens seitdem angewöhnt, die Bemühungen nach solchen Erlebnissen durch ein positives Feedback zu würdigen. Mindestens öffentlich über eine entsprechende Rezension. Oftmals aber auch mit einer direkten E-Mail an die Hotel- oder Restaurantleitung.

Jahrestag

Dieser Angewohnheit komme ich allerdings auch nach, wenn etwas nicht so ideal läuft. Das wurde bei unserem nächsten Aufenthalt im The Ritz-Carlton Wolfsburg relevant. Ich hatte nämlich beim Treue-Programm der Marriott-Kette, zu der die The Ritz-Carlton Häuser mittlerweile gehören, durch diverse Geschäftsreisen ein paar Punkte angesammelt. Das machen ja inzwischen alle Hotelketten. Der Vorteil von Marriott Bonvoy (so heißt das das Programm bei denen) ist, dass es in allen Häusern der Kette angewandt wird. Da inzwischen rund 30 verschiedene Marken  zum Marriott-Konzern gehören, stehen einem weltweit über 8.500 Hotels verschiedenster Kategorien zur Auswahl. Angefangen von den coolen und günstigen moxy-Hotels eben bis hin zu Häusern der absoluten Luxusklasse, wie dem The Ritz-Carlton.

Aber genug der unbezahlten Werbung und zurück zum Thema: Mit den gesammelten Punkten, gönnte ich meinem Freund und mir unseren zweiten Aufenthalt. Passenderweise zu unserem zweiten Jahrestag. Etwas, das zufälligerweise (*hüstel* vielleicht wurde es auch in einer der E-Mails, die im Vorfeld meiner Reisen immer mit dem jeweiligen Hotel ausgetauscht werden, um sicherzustellen, dass alles für meine individuellen Bedürfnisse passt, erwähnt *hüstel*) auch die Ladies und Gentlemen in Wolfsburg wussten. Natürlich eine perfekte Möglichkeit, um neue Ritz-Carlton-Momente zu schaffen.

Audi R8 ganz privat

Der Koch, den wir bei unserem letzten Aufenthalt kennengelernt hatten, arbeitete inzwischen leider nicht mehr im Hotel. Mit ihm sollte es aber trotzdem schon bald ein Wiedersehen geben. Nichtsdestotrotz wurden wir wieder herzlich empfangen. Neben einem privaten Abendessen (welches allerdings erwartungsgemäß nicht mit unserem Candlelight Dinner vom letzten Mal mithalten konnte) hatte sich das Team vom The Ritz-Carlton noch etwas anderes anlässlich unseres persönlichen Jubiläums einfallen lassen. Dafür ist es wichtig, zwei Sachen zu wissen. Erstens: die Lieblingsautomarke von meinem Freund ist Audi. Zweitens: Audi gehört zum Volkswagen-Konzern. Entsprechend gibt es für diese Marke einen eigenen Pavillon in der Autostadt. Dort hatte das Hotelteam für uns eine private Führung kurz vor Ende der Öffnungszeiten organisiert. Wir wurden also von einem sehr freundlichen und gut gelaunten Host begrüßt, der uns in aller Ruhe durch den Pavillon führte (übrigens tatsächlich komplett rollstuhgerecht). Dabei erzählt er uns allerlei Wissenswertes rund um die Karossen aus den Hause Horch – wie Audi in seinen Anfängen einst hieß. Mein Freund durfte in dem einen oder anderen Wagen Platz nehmen und wir konnten auch ungestört das eine oder andere Foto schießen. Dann kam das Highlight: in der Zwischenzeit hatten nämlich alle anderen Besucherinnen und Besucher den Pavillion verlassen. Wir waren also ganz alleine, als unser Host uns fragte: „Wollen wir mal was verrücktes machen?“ – Wollten wir nicht und beendeten kurz darauf die Führung.
Nein, Scherz! Natürlich wollten wir etwas verrücktes machen. Also zückte unser Host einen Autoschlüssel und öffnete das Highlight der Ausstellung – den matt lackierten R8. Dann durfte sich mein Freund ans Steuer dieses krassen Sportwagens setzen. Verständlicherweise konnte er damit in dem Pavillon nirgendwo hinfahren. Aber er konnte den Motor mehrere Male richtig laut aufheulen lassen. Da wir uns nach wie vor drinnen befanden, verstärkte sich dieser Effekt logischerweise noch einmal enorm. Das schepperte gewaltig und danach dröhnten uns ganz schön die Ohren. Aber Spaß hat es trotzdem gemacht.

Zum Abschied gab es als Andenken noch eine Audi-Kaffeetasse. Die hat tatsächlich sogar noch viele Jahre sowie zwei Umzüge überdauert. Erst neulich musste ich sie leider wegschmeißen, nachdem ein Assistent sie beschädigt hatte. Leben mit Assistenz ist übrigens ein ganz eigenes Thema. Damit lässt sich ein kompletter eigener Blog betreiben.

Fehlender Zauber

Trotz dieser wirklich sehr individuellen Aufmerksamkeiten, ließ unser zweiter Aufenthalt im The Ritz-Carlton irgendwie ein bisschen den Zauber unseres ersten Aufenthaltes vermissen. Darüber hinaus gab es an einem Morgen noch einen Vorfall, der absolut nicht dem Standard eines solchen Hauses entsprach.
Auch das kommunizierte ich natürlich ganz offen und unaufgeregt. Daraufhin zeigte sich dann aber wieder, warum The Ritz-Carlton ganz oben in der Luxushotellerie dabei ist: Meine Rückmeldung wurde nicht einfach nur abgetan, sondern man wollte es besser machen und zeigen, nach welchem Standard die Ladies und Gentlemen dort selbst ihre Gastfreundschaft leben. Wie genau das aussah, könnt ihr im nächsten Beitrag lesen. So viel schon mal vorab: es übertraf alles bisher dagewesene…

Wenn ihr meinen nächsten Besuch im The Ritz-Carlton Wolfsburg auf keinen Fall verpassen wollt, dann folgt mir auch gerne auf Instagram.

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