Alles mitgenommen in Wolfsburg – vom Jugendtraum zum Ritz-Carlton-Moment

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Wolfsburg ist ein guter Auftakt für diesen Blog. Denn fast jede und jeder hat von dieser Stadt schon einmal in den Nachrichten gehört – Volkswagen sei Dank. Wolfsburg ist der Stammsitz des VW-Konzerns und zugleich der größte Produktionsstandort der weltweit bekannten Automarke mit den zwei Buchstaben. Allerdings ist das hier ja kein Blog für Autofans (wenngleich auch die bei dieser Geschichte ein kleines bisschen auf ihre Kosten kommen werden), sondern mein ganz privater Blog (okay, vielleicht nicht ganz so privat – da müsst ihr euch noch bis zu meinem OnlyFans-Projekt gedulden 😉).

Warum also Wolfsburg

Also, warum ist diese so krass von einem Autokonzern geprägte Stadt in Niedersachsen ein guter Auftakt für meinen privaten Blog? Tatsächlich bin ich dort (in der Nähe) aufgewachsen und (noch näher dran) auch einige Jahre zur damals einzigen rollstuhlgerechten weiterführenden Schule im Umkreis von 100 Kilometern gegangen. Ich werde euch aber nicht mit Geschichten aus meiner Schulzeit langweilen – zumindest nicht heute. Auch wenn da sicherlich die eine oder andere interessante Anekdote zu erzählen wäre.
Zum Beispiel als wir am 11. September 2001 in der Autostadt in Wolfsburg waren und erst auf dem Nachhauseweg mitbekamen, dass an diesem Tag Geschichte geschrieben wurde.
Oder wie ich damals eine Film-AG gründete, die mein vertrautester Lehrer für größenwahnsinnig hielt, und für deren Dreharbeiten ich nicht nur einen Rettungswagen, sondern auch einen Streifenwagen inklusive kultiger Besatzung und einen kompletten Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr organisiert habe. Oder als ich nach dem Amoklauf von Erfurt morgens, mitten in der ersten Stunde, zum Schulleiter zitiert wurde. Aber wie gesagt, nicht heute – vielleicht ein anderes Mal.

5 Sterne, Luxus-Picknick und filmreife Nacht

Schließlich soll es in diesem Blog  – wie wir alle dank der „Über diesen Blog“-Seite wissen – um schöne Erlebnisse gehen. Erlebnisse, die zeigen, dass wir etwas aus unserem Leben machen können. Vielleicht nicht immer das, was Medien und Gesellschaft uns als erstrebenswert weiß machen wollen. Aber eben doch so viel, dass wir am Ende unserer Zeit auf dieser Erde sagen, wir haben alles mitgenommen.
Deshalb geht es in diesem Reisebericht unter anderem um …

  • ein spontanes 5 Sterne superior Candle-Light-Dinner
  • einen exklusiven Sternenhimmel
  • eine private Führung in der Autostadt
  • ein luxuriöses Picknick mit Privatkoch
  • einen einmaligen Filmabend
  • eine wegen dem kaputten Rollstuhl fast verpasste Dinner-Reservierung
  • und eine Nacht, die filmreif war

The Ritz-Carlton Wolfsburg

Auch wenn es in meiner Jugend leider um das Thema Barrierefreiheit noch weitaus schlechter gestellt war als es das heute ist (wobei rollstuhlgerecht und barrierefreie traurigerweise auch im Jahr 2026 immer noch eine riesige Baustelle sind – zumindest in Deutschland), so konnte ich doch ziemlich viel ohne Mobilitätseinschränkungen erleben. Egal ob Kino, Theater, Shopping-Mal (auf PR-Deutsch: Stadtgalerie) oder Kunstmuseum – ich konnte überall hin. Doch etwas in Wolfsburg blieb mir aus anderen Gründen verwehrt und war seit seinem Bestehen ein Traum von mir: das The Ritz-Carlton Wolfsburg

Autostadt

Kenner*innen der gehobenen Hotellerie werden jetzt zurecht fragen: Ein The Ritz-Carlton Hotel in Wolfsburg – warum? Das hatte mit einem Penis Mann bei Volkswagen zu tun. Der damalige VW-Vorstand – ich glaube, es war Ferdinand Piëch – hatte sich ein Denkmal setzen wollen.
(Wäre es für die Bekanntheit meines neuen Blogs wohl eher zu- oder abträglich, wenn ich an dieser Stelle einen kleinen Exkurs über das Ego von – vornehmlich – Männern, vermutlich für sie selbst zu kleinen Penissen – das ist doch der Plural von Penis, oder? – und dem Bedürfnis, das irgendwie demonstrativ kompensieren zu müssen, einfügen würde?)
Aus diesem Grund wurde pünktlich zum „magischen“ Jahr 2000 die Autostadt gebaut. Eine Mischung aus Erlebnispark und Automesse. Selbstverständlich nur für Konzern-Marken. Mit einem Museum zur (Auto-) Mobilität, Werkstour in einem automatischen Zug a la Jurassic Park und mit einem SUV-Parkour statt Achterbahn.
Aber abgesehen von der ganzen Marken-Werbung und diversen vierrädrigen Ausstellungsstücken, bei denen Autofans und Versicherungsvertreter, die Provision für die ob des Wertes entsprechend stattliche Versicherungsprämie kriegen, jeden Geschlechts gleichermaßen vor Begeisterung Pipi in den Augen kriegen, war die Autostadt in Wolfsburg auch ein schöner Veranstaltungsort, der ganz klar davon profitierte, dass Volkswagen ein beachtliches PR-Budget in den Park pumpte. Die namhaften Künstlerinnen und Künstler, diverse weniger bekannte aber dafür umso finanzkräftigere Besucher (absichtlich nicht gegendert – aus Gründen…) des Konzernmanagements und zahlungskräftige Autofans aus aller Welt mussten natürlich auch irgendwo unterkommen. Ach ja, und natürlich auch die Leute, die aus ganz Deutschland anreisen würden, um ihren neuen Golf im Jurassic Pa … äh… in der Autostadt abzuholen. Letztere wahrscheinlich zu subventionierten Zimmerpreisen. Denn bei der kleinen Herberge, die vís-á-vís vom (ehemaligen) Kraftwerk des Fabrikgeländes gebaut wurde, handelte es sich um ein Haus mit inzwischen Michelin-Sterne prämierten Restaurant aus einer der namhaftesten Hotelketten der Welt: The Ritz-Carlton

Mein erstes Mal

Auch ich musste früher einiges kompensieren. Nicht wegen meinem Penis (mit dem bin ich sehr zufrieden, danke der Nachfrage). Sondern weil ich aufgrund des internalisierten Ableismus lange Zeit dachte, mich wegen meiner Behinderung besonders beweisen zu müssen. Außerdem – und ich weiß nicht ob wegen vorgenanntem Punkt oder aus anderen Gründen, aber ist ja auch egal – habe ich einen Faible für Schönes. Und Luxushotels sind in aller Regel sehr schön.
Das merkte ich bei meinem ersten Mal in einem Luxushotel. Ich hatte gerade angefangen freiberuflich als Schreiberling zu arbeiten. Mein erster Artikel für ein bundesweites Print-Magazin, das sich an behinderte Menschen richtete, war ein Ausflugstipp zum Mekka der Mobilität: die Autostadt in Wolfsburg.
Natürlich musste ich mir dafür auch die Barrierefreiheit im (zwangsweise) ersten Haus am Platz anschauen. Ich bekam also eine Führung vom Pressesprecher des Hauses. Das war irgendwie schon eindrucksvoll und setzte mir den Floh in den Kopf, dass ich irgendwann mal in diesem Hotel einchecken würde – idealerweise in einem beruflichen Kontext mit schickem Auto und Entourage (Ableismus und so). 

Es dauerte tatsächlich über 13 Jahre, bis es soweit sein sollte. Aber ich habe mir diesen Traum erfüllt. Inzwischen sogar mehrfach. Allerdings in einem privaten Kontext. Tatsächlich aber mit schickem Auto und sogar Entourage. Zwar keine Bodyguards und Manager, wie in meiner früheren Vorstellung, sondern Assistenzkräfte. Aber hey, Mitarbeitende, die sich um dein körperliches Wohl kümmern, sind doch eigentlich besser als solche, die auf deine Sicherheit achten müssen. Hatte ich auch schon – aber das ist eine Geschichte für einen der nächsten Blogbeiträge. 

Und noch etwas war anders als in meiner Vorstellung. Etwas, das ich nie zu träumen gewagt hatte. Ich kam in Begleitung. Nicht von irgendwem. Sondern in Begleitung eines wunderschönen  Mannes – der außerdem auch noch unverschämt gut aussah. Immer noch aussieht. Denn er ist nach wie vor ein wichtiger Teil meines Lebens. Und unser gemeinsames erstes Mal im The Ritz-Carlton Wolfsburg endete anders als ich es mir in meinen kühnsten Träumen hätte ausmalen können.

Ankunft im The Ritz-Carlton Wolfsburg

Doch auch der Auftakt unseres Besuchs war beeindruckend. Bereits beim ersten Betreten wurden wir an der Rezeption mit Namen begrüßt. (Okay, kein wirkliches Kunststück. Erfahrungsgemäß übernachten leider viel zu selten Menschen im Rollstuhl in solchen Luxushotels.) Danach wurden wir in die Clublounge begleitet. Denn auch wenn das barrierefreie Zimmer leider nicht auf der Club-Etage lag, hatte ich es mir nicht nehmen lassen, dieses Upgrade zu buchen. Wenn schon The Ritz-Carlton, dann doch alles mitgenommen, was geht. Trotz der hochwertigen, modernen Einrichtung wirkte alles unglaublich entspannt und gemütlich. Überall beige Farbtöne, natürliche Materialien und dicke Teppiche. Nicht nur die Dame an der Rezeption kannte uns offenbar. Sämtliche Hotelangestellten, denen wir während unserer Aufenthalte begegneten, sprachen uns mit Namen an.

In der Lounge wurden wir vom verantwortlichen Manager für die VIP-Gäste begrüßt. Praktischerweise der Koch, so dass er sich gleich noch einmal über meine speziellen Bedürfnisse beim Essen erkundigen konnte.

Ich will dazu hier gar nicht zu sehr ins Detail gehen. Nur so viel: ich ernähre mich grundsätzlich und hauptsächlich über eine Magensonde. Zu besonderen Anlässen und wenn ich mich entsprechend (fit und ausgeruht) fühle, esse ich speziell zubereitete (pürierte) Nahrung in kleinen Mengen oral (also durch den Mund). Wer an weiteren Details interessiert ist, kann gerne mal hier schauen – dort betreibe ich einen ganzen Blog rund um dieses Thema.

Auf dem Zimmer angekommen, zeigte sich, dass sie im Hotel (zusätzlich zum Namen lernen) ihre Hausaufgaben gemacht hatten. Auf meinen Freund warteten Obst und ein paar Pralinen; auf mich ein Saft und ein Fruchtpüree. Es sind eben Details, die den Unterschied machen. 

Bevor wir dann zum Abendessen wieder in die Lounge hoch fuhren, verließen wir aber noch einmal das Ritz-Carlton. Denn ich bin ein hoffnungsloser Romantiker und hatte noch etwas ganz besonderes für unsere Auszeit zu zweit vorbereitet.

Sterne nur für uns

Aus meiner Kindheit wusste ich, dass es in Wolfsburg noch einen anderen, sehr coolen Ort gab. Allerdings habe ich ihn, wenn ich mich richtig erinnere, nur zwei Mal besucht. Einmal zusammen mit meinem Papa und einmal im Rahmen eines Klassenausfluges. An diesem Abend, wollte ich mit meinem Freund hierher kommen. Leider fanden zu dieser Uhrzeit aber keine regulären Veranstaltungen mehr statt. 

Aber wenn ich mich in meinem Leben immer daran gehalten hätte, was andere für möglich halten, würde ich heute nicht mehr hier sitzen und diese Zeilen schreiben. Schon in der Rede bei meiner Abi-Entlassung (die übrigens nur rund 25 km entfernt stattgefunden hatte) postulierte ich: „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg – notfalls wird ein neuer angelegt!“
Und ich wollte meinem Freund und mir die Sterne vom Himmel holen.

Ob mir das gelang, lest ihr dann im nächsten Beitrag von „alles mitgenommen in Wolfsburg“. Erfahrt außerdem warum ein Audi R8 beinahe für Tinnitus gesorgt hat – und warum ein Rasensprenger unseren romantischen Abend ruiniert hat.

Folgt mir gerne auch auf Instagram, damit ihr nichts mehr verpasst.

Fortsetzung folgt …

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