Autor: Bastian

  • Alles mitgenommen in Wolfsburg – Luxus, Sterne und Motorengebrüll

    Im letzten Beitrag über die Zeit in Wolfsburg hatte ich ja berichtet, dass es an den Abenden, als wir dort waren, regulär keine Vorstellung im örtlichen Planetarium gab.

    Ich machte also etwas, das ich seitdem immer wieder mal mache, wenn ich mir etwas vorgenommen habe, das so aber entweder überhaupt nicht oder nicht rollstuhlgerecht angeboten wird: ich lasse meine Assistenz im Büro eine E-Mail schreiben und fragen, ob dieses oder jenes nicht doch möglich gemacht werden könnte – natürlich, dafür leben wir nun mal in der Gesellschaftsordnung in der wir eben leben – gegen entsprechende Bezahlung. 

    Meiner Erfahrung nach geht es dann irgendwie doch immer. Meistens sogar günstiger als ich erwartet habe. Vielleicht sind meine Sonderwünsche auch einfach nicht besonders genug …

    Auf jeden Fall fand ich die Preise bisher immer fair. Zumindest fast immer. Ein einziges Mal habe ich es nach einer solchen Anfrage dann gelassen. Das war mir der eigene Weihnachtsbaum auf dem Hotelzimmer dann letztendlich nicht wert – aber das ist eine andere Geschichte.
    Für diesen Abend schien mir der Preis jedoch durchaus fair und so buchte ich uns eine private Vorführung im Planetarium Wolfsburg.

    Von Projektoren und Köchen

    Wir hatten Glück. Der Direktor des Planetariums höchstpersönlich führte uns durch die künstliche Nacht mit bester Sicht auf die Gestirne. Im Anschluss erklärte er uns sogar noch detailliert die Technik. Der große Projektor, der mehrere Zehntausende Euro gekostet hatte, war schon sehr imposant. 

    Leider mussten wir wieder zurück ins Hotel, um unser Abendessen nicht zu verpassen. Außerdem wollten wir uns noch mit Freunden auf einen Drink (natürlich alkoholfrei – don’t drink and drive 😉 treffen.
    Nach dem Abendessen kamen wir noch mit dem Koch ins Gespräch. Ich erklärte ihm ein wenig die Hintergründe zu meinen besonderen Bedürfnissen bei der Essenszubereitung. Er war wirklich interessiert und empfand das für seine Arbeit nicht als nervig, sondern verstand es mehr als Herausforderung, insbesondere mir Genussmomente zu bereiten. Etwas, das ich seitdem tatsächlich schon öfters erlebt habe. Köche sind Profis. Viele von ihnen lieben ihren Beruf wirklich und haben Spaß daran, Menschen mit dem Ergebnis ihrer Arbeit eine Freude zu machen. Und so verabschiedete sich auch unser Koch mit den Worten, dass wir uns melden sollten, wenn er irgendetwas tun könne, um unseren Aufenthalt angenehmer zu gestalten. Am nächsten Tag wäre er ab 13:00 Uhr im Haus und etwa ab 14:00 Uhr auf der Club-Etage. Wie ernst er dieses Angebot wirklich meinte, sollte ich am nächsten Tag merken.
    Aber zunächst hatten wir noch einen schönen Abend vor uns. Mit den Freunden gab es Virgin Colada – mit meinem Freund später wieder auf dem Zimmer blieb es nicht ganz so jungfräulich…

    Eine verrückte Idee

    Vor dem Einschlafen schwärmte er noch von dem Kamin in der Club-Lounge – das brachte mich auf eine Idee!
    Am nächsten Tag hatte ich dann doch noch ein paar Termine und mein Freund nutzte die Zeit, um die vorweihnachtliche Autostadt zu erkunden. So konnte ich ganz unbemerkt an der Rezeption darum bitten, mit unserem persönlichen Gastgeber, dem Koch aus der Club-Lounge, zu sprechen, wenn er Zeit hätte.
    Es war gerade einmal 13:10 Uhr als er in der Lobby auf mich zukam. Ich saß gerade mit ein paar Leuten zusammen und entschuldigte mich kurz. Es war, wenn ich mich nicht irre, Dale Carnegie, der den Leitspruch geprägt haben soll: „Sag, was du denkst und du bekommst, was du willst.“
    Also teilte ich meine Idee mit ihm und machte dabei auch ganz deutlich, dass ich es absolut verstehen würde, wenn das verrückt, zu spontan oder einfach zu viel verlangt wäre. Aber er lächelte nur und meinte, dass er sich darum kümmern würde.

    (Übrigens: Ich benutze in diesem Blog bewusst keine Namen anderer Menschen. Schließlich ist es meine Entscheidung, diese Geschichten hier zu teilen. Und da möchte ich niemanden einfach so ungefragt erwähnen. Seid euch also bitte gewiss, dass ich nicht aus Ignoranz immer bloß vom „Koch“ spreche, sondern aus dem Gegenteil heraus.)

    Candlelight Dinner

    Am Abend war es dann soweit. Nachdem mein Freund und ich uns nach dem für uns beide interessanten Tag etwas frisch gemacht hatten, traten wir unseren Kurztrip mit dem Fahrstuhl von der ersten in die vierte, die Club-Etage an. Dort erwartete uns direkt vor dem Kamin, über den er noch am Vorabend geschwärmt hatte, ein Tisch für zwei. Mit Kerzen und nur einem Stuhl. Schließlich habe ich meinen eigenen immer dabei.

    Unser Koch und sein Team servierten uns an diesem Abend ein extra auf uns abgestimmtes 4-Gang-Menü. Es gab unter anderem rote Paprika, Polenta, Lachs und Erdbeeren. Für meinen Freund herkömmlich zubereitet. Für mich püriert. Es war dem Küchenchef dabei ganz besonders wichtig gewesen, dass wir beide dasselbe zu essen bekommen würden. Damit wir uns auch darüber austauschen könnten.
    Ein wirklich ganz besonderer Abend, der nicht nur zeigte, wie sehr unser Koch Gastfreundschaft lebte, sondern auch welche Möglichkeiten Mitarbeitende bei The Ritz-Carlton haben, auf Ihre Gäste einzugehen. Tatsächlich habe ich mal gehört, dass die Hotelkette in einer Studie evaluiert hat, dass ihre Gäste im Laufe ihres Lebens durchschnittlich 200.000,- $ bei ihnen ausgeben. Davon bin ich zwar noch weit entfernt, aber wir wissen ja nicht, was das Leben noch so für uns bereithält. Auf jeden Fall lohnt es sich also, wenn sich die Gäste wohlfühlen und gerne  wiederkommen. Deshalb ist es wohl so, dass bei The Ritz-Carlton sämtliche Mitarbeitende, egal ob General Manager oder Reinigungskraft, ohne Rücksprache mit irgendwelchen Vorgesetzten bis zu 1.000,- $ ausgeben dürfen, wenn Gäste sich mit einem Problem an sie wenden oder sie den Gästen durch eine Aufmerksamkeit einen unvergesslichen Ritz-Carlton-Moment schaffen können. Wir haben über die Jahre schon mehrere solcher Ritz-Carlton-Momente erleben dürfen. Auch bei einem eklatanten Problem wurde mir schon geholfen – dazu gleich mehr.

    Der Beginn unserer Reise in die Welt der Ritz-Carlton-Momente war aber definitiv dieses Candlelight Dinner von unserem Koch, mit dem ich immer noch sporadisch in Kontakt bin und den wir auch noch einmal wieder gesehen haben. Allerdings nicht mehr im The Ritz-Carlton Wolfsburg – auch dazu gleich mehr.

    Ich habe mir übrigens seitdem angewöhnt, die Bemühungen nach solchen Erlebnissen durch ein positives Feedback zu würdigen. Mindestens öffentlich über eine entsprechende Rezension. Oftmals aber auch mit einer direkten E-Mail an die Hotel- oder Restaurantleitung.

    Jahrestag

    Dieser Angewohnheit komme ich allerdings auch nach, wenn etwas nicht so ideal läuft. Das wurde bei unserem nächsten Aufenthalt im The Ritz-Carlton Wolfsburg relevant. Ich hatte nämlich beim Treue-Programm der Marriott-Kette, zu der die The Ritz-Carlton Häuser mittlerweile gehören, durch diverse Geschäftsreisen ein paar Punkte angesammelt. Das machen ja inzwischen alle Hotelketten. Der Vorteil von Marriott Bonvoy (so heißt das das Programm bei denen) ist, dass es in allen Häusern der Kette angewandt wird. Da inzwischen rund 30 verschiedene Marken  zum Marriott-Konzern gehören, stehen einem weltweit über 8.500 Hotels verschiedenster Kategorien zur Auswahl. Angefangen von den coolen und günstigen moxy-Hotels eben bis hin zu Häusern der absoluten Luxusklasse, wie dem The Ritz-Carlton.

    Aber genug der unbezahlten Werbung und zurück zum Thema: Mit den gesammelten Punkten, gönnte ich meinem Freund und mir unseren zweiten Aufenthalt. Passenderweise zu unserem zweiten Jahrestag. Etwas, das zufälligerweise (*hüstel* vielleicht wurde es auch in einer der E-Mails, die im Vorfeld meiner Reisen immer mit dem jeweiligen Hotel ausgetauscht werden, um sicherzustellen, dass alles für meine individuellen Bedürfnisse passt, erwähnt *hüstel*) auch die Ladies und Gentlemen in Wolfsburg wussten. Natürlich eine perfekte Möglichkeit, um neue Ritz-Carlton-Momente zu schaffen.

    Audi R8 ganz privat

    Der Koch, den wir bei unserem letzten Aufenthalt kennengelernt hatten, arbeitete inzwischen leider nicht mehr im Hotel. Mit ihm sollte es aber trotzdem schon bald ein Wiedersehen geben. Nichtsdestotrotz wurden wir wieder herzlich empfangen. Neben einem privaten Abendessen (welches allerdings erwartungsgemäß nicht mit unserem Candlelight Dinner vom letzten Mal mithalten konnte) hatte sich das Team vom The Ritz-Carlton noch etwas anderes anlässlich unseres persönlichen Jubiläums einfallen lassen. Dafür ist es wichtig, zwei Sachen zu wissen. Erstens: die Lieblingsautomarke von meinem Freund ist Audi. Zweitens: Audi gehört zum Volkswagen-Konzern. Entsprechend gibt es für diese Marke einen eigenen Pavillon in der Autostadt. Dort hatte das Hotelteam für uns eine private Führung kurz vor Ende der Öffnungszeiten organisiert. Wir wurden also von einem sehr freundlichen und gut gelaunten Host begrüßt, der uns in aller Ruhe durch den Pavillon führte (übrigens tatsächlich komplett rollstuhgerecht). Dabei erzählt er uns allerlei Wissenswertes rund um die Karossen aus den Hause Horch – wie Audi in seinen Anfängen einst hieß. Mein Freund durfte in dem einen oder anderen Wagen Platz nehmen und wir konnten auch ungestört das eine oder andere Foto schießen. Dann kam das Highlight: in der Zwischenzeit hatten nämlich alle anderen Besucherinnen und Besucher den Pavillion verlassen. Wir waren also ganz alleine, als unser Host uns fragte: „Wollen wir mal was verrücktes machen?“ – Wollten wir nicht und beendeten kurz darauf die Führung.
    Nein, Scherz! Natürlich wollten wir etwas verrücktes machen. Also zückte unser Host einen Autoschlüssel und öffnete das Highlight der Ausstellung – den matt lackierten R8. Dann durfte sich mein Freund ans Steuer dieses krassen Sportwagens setzen. Verständlicherweise konnte er damit in dem Pavillon nirgendwo hinfahren. Aber er konnte den Motor mehrere Male richtig laut aufheulen lassen. Da wir uns nach wie vor drinnen befanden, verstärkte sich dieser Effekt logischerweise noch einmal enorm. Das schepperte gewaltig und danach dröhnten uns ganz schön die Ohren. Aber Spaß hat es trotzdem gemacht.

    Zum Abschied gab es als Andenken noch eine Audi-Kaffeetasse. Die hat tatsächlich sogar noch viele Jahre sowie zwei Umzüge überdauert. Erst neulich musste ich sie leider wegschmeißen, nachdem ein Assistent sie beschädigt hatte. Leben mit Assistenz ist übrigens ein ganz eigenes Thema. Damit lässt sich ein kompletter eigener Blog betreiben.

    Fehlender Zauber

    Trotz dieser wirklich sehr individuellen Aufmerksamkeiten, ließ unser zweiter Aufenthalt im The Ritz-Carlton irgendwie ein bisschen den Zauber unseres ersten Aufenthaltes vermissen. Darüber hinaus gab es an einem Morgen noch einen Vorfall, der absolut nicht dem Standard eines solchen Hauses entsprach.
    Auch das kommunizierte ich natürlich ganz offen und unaufgeregt. Daraufhin zeigte sich dann aber wieder, warum The Ritz-Carlton ganz oben in der Luxushotellerie dabei ist: Meine Rückmeldung wurde nicht einfach nur abgetan, sondern man wollte es besser machen und zeigen, nach welchem Standard die Ladies und Gentlemen dort selbst ihre Gastfreundschaft leben. Wie genau das aussah, könnt ihr im nächsten Beitrag lesen. So viel schon mal vorab: es übertraf alles bisher dagewesene…

    Wenn ihr meinen nächsten Besuch im The Ritz-Carlton Wolfsburg auf keinen Fall verpassen wollt, dann folgt mir auch gerne auf Instagram.

  • Alles mitgenommen in Wolfsburg – vom Jugendtraum zum Ritz-Carlton-Moment

    Wolfsburg ist ein guter Auftakt für diesen Blog. Denn fast jede und jeder hat von dieser Stadt schon einmal in den Nachrichten gehört – Volkswagen sei Dank. Wolfsburg ist der Stammsitz des VW-Konzerns und zugleich der größte Produktionsstandort der weltweit bekannten Automarke mit den zwei Buchstaben. Allerdings ist das hier ja kein Blog für Autofans (wenngleich auch die bei dieser Geschichte ein kleines bisschen auf ihre Kosten kommen werden), sondern mein ganz privater Blog (okay, vielleicht nicht ganz so privat – da müsst ihr euch noch bis zu meinem OnlyFans-Projekt gedulden 😉).

    Warum also Wolfsburg

    Also, warum ist diese so krass von einem Autokonzern geprägte Stadt in Niedersachsen ein guter Auftakt für meinen privaten Blog? Tatsächlich bin ich dort (in der Nähe) aufgewachsen und (noch näher dran) auch einige Jahre zur damals einzigen rollstuhlgerechten weiterführenden Schule im Umkreis von 100 Kilometern gegangen. Ich werde euch aber nicht mit Geschichten aus meiner Schulzeit langweilen – zumindest nicht heute. Auch wenn da sicherlich die eine oder andere interessante Anekdote zu erzählen wäre.
    Zum Beispiel als wir am 11. September 2001 in der Autostadt in Wolfsburg waren und erst auf dem Nachhauseweg mitbekamen, dass an diesem Tag Geschichte geschrieben wurde.
    Oder wie ich damals eine Film-AG gründete, die mein vertrautester Lehrer für größenwahnsinnig hielt, und für deren Dreharbeiten ich nicht nur einen Rettungswagen, sondern auch einen Streifenwagen inklusive kultiger Besatzung und einen kompletten Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr organisiert habe. Oder als ich nach dem Amoklauf von Erfurt morgens, mitten in der ersten Stunde, zum Schulleiter zitiert wurde. Aber wie gesagt, nicht heute – vielleicht ein anderes Mal.

    5 Sterne, Luxus-Picknick und filmreife Nacht

    Schließlich soll es in diesem Blog  – wie wir alle dank der „Über diesen Blog“-Seite wissen – um schöne Erlebnisse gehen. Erlebnisse, die zeigen, dass wir etwas aus unserem Leben machen können. Vielleicht nicht immer das, was Medien und Gesellschaft uns als erstrebenswert weiß machen wollen. Aber eben doch so viel, dass wir am Ende unserer Zeit auf dieser Erde sagen, wir haben alles mitgenommen.
    Deshalb geht es in diesem Reisebericht unter anderem um …

    • ein spontanes 5 Sterne superior Candle-Light-Dinner
    • einen exklusiven Sternenhimmel
    • eine private Führung in der Autostadt
    • ein luxuriöses Picknick mit Privatkoch
    • einen einmaligen Filmabend
    • eine wegen dem kaputten Rollstuhl fast verpasste Dinner-Reservierung
    • und eine Nacht, die filmreif war

    The Ritz-Carlton Wolfsburg

    Auch wenn es in meiner Jugend leider um das Thema Barrierefreiheit noch weitaus schlechter gestellt war als es das heute ist (wobei rollstuhlgerecht und barrierefreie traurigerweise auch im Jahr 2026 immer noch eine riesige Baustelle sind – zumindest in Deutschland), so konnte ich doch ziemlich viel ohne Mobilitätseinschränkungen erleben. Egal ob Kino, Theater, Shopping-Mal (auf PR-Deutsch: Stadtgalerie) oder Kunstmuseum – ich konnte überall hin. Doch etwas in Wolfsburg blieb mir aus anderen Gründen verwehrt und war seit seinem Bestehen ein Traum von mir: das The Ritz-Carlton Wolfsburg

    Autostadt

    Kenner*innen der gehobenen Hotellerie werden jetzt zurecht fragen: Ein The Ritz-Carlton Hotel in Wolfsburg – warum? Das hatte mit einem Penis Mann bei Volkswagen zu tun. Der damalige VW-Vorstand – ich glaube, es war Ferdinand Piëch – hatte sich ein Denkmal setzen wollen.
    (Wäre es für die Bekanntheit meines neuen Blogs wohl eher zu- oder abträglich, wenn ich an dieser Stelle einen kleinen Exkurs über das Ego von – vornehmlich – Männern, vermutlich für sie selbst zu kleinen Penissen – das ist doch der Plural von Penis, oder? – und dem Bedürfnis, das irgendwie demonstrativ kompensieren zu müssen, einfügen würde?)
    Aus diesem Grund wurde pünktlich zum „magischen“ Jahr 2000 die Autostadt gebaut. Eine Mischung aus Erlebnispark und Automesse. Selbstverständlich nur für Konzern-Marken. Mit einem Museum zur (Auto-) Mobilität, Werkstour in einem automatischen Zug a la Jurassic Park und mit einem SUV-Parkour statt Achterbahn.
    Aber abgesehen von der ganzen Marken-Werbung und diversen vierrädrigen Ausstellungsstücken, bei denen Autofans und Versicherungsvertreter, die Provision für die ob des Wertes entsprechend stattliche Versicherungsprämie kriegen, jeden Geschlechts gleichermaßen vor Begeisterung Pipi in den Augen kriegen, war die Autostadt in Wolfsburg auch ein schöner Veranstaltungsort, der ganz klar davon profitierte, dass Volkswagen ein beachtliches PR-Budget in den Park pumpte. Die namhaften Künstlerinnen und Künstler, diverse weniger bekannte aber dafür umso finanzkräftigere Besucher (absichtlich nicht gegendert – aus Gründen…) des Konzernmanagements und zahlungskräftige Autofans aus aller Welt mussten natürlich auch irgendwo unterkommen. Ach ja, und natürlich auch die Leute, die aus ganz Deutschland anreisen würden, um ihren neuen Golf im Jurassic Pa … äh… in der Autostadt abzuholen. Letztere wahrscheinlich zu subventionierten Zimmerpreisen. Denn bei der kleinen Herberge, die vís-á-vís vom (ehemaligen) Kraftwerk des Fabrikgeländes gebaut wurde, handelte es sich um ein Haus mit inzwischen Michelin-Sterne prämierten Restaurant aus einer der namhaftesten Hotelketten der Welt: The Ritz-Carlton

    Mein erstes Mal

    Auch ich musste früher einiges kompensieren. Nicht wegen meinem Penis (mit dem bin ich sehr zufrieden, danke der Nachfrage). Sondern weil ich aufgrund des internalisierten Ableismus lange Zeit dachte, mich wegen meiner Behinderung besonders beweisen zu müssen. Außerdem – und ich weiß nicht ob wegen vorgenanntem Punkt oder aus anderen Gründen, aber ist ja auch egal – habe ich einen Faible für Schönes. Und Luxushotels sind in aller Regel sehr schön.
    Das merkte ich bei meinem ersten Mal in einem Luxushotel. Ich hatte gerade angefangen freiberuflich als Schreiberling zu arbeiten. Mein erster Artikel für ein bundesweites Print-Magazin, das sich an behinderte Menschen richtete, war ein Ausflugstipp zum Mekka der Mobilität: die Autostadt in Wolfsburg.
    Natürlich musste ich mir dafür auch die Barrierefreiheit im (zwangsweise) ersten Haus am Platz anschauen. Ich bekam also eine Führung vom Pressesprecher des Hauses. Das war irgendwie schon eindrucksvoll und setzte mir den Floh in den Kopf, dass ich irgendwann mal in diesem Hotel einchecken würde – idealerweise in einem beruflichen Kontext mit schickem Auto und Entourage (Ableismus und so). 

    Es dauerte tatsächlich über 13 Jahre, bis es soweit sein sollte. Aber ich habe mir diesen Traum erfüllt. Inzwischen sogar mehrfach. Allerdings in einem privaten Kontext. Tatsächlich aber mit schickem Auto und sogar Entourage. Zwar keine Bodyguards und Manager, wie in meiner früheren Vorstellung, sondern Assistenzkräfte. Aber hey, Mitarbeitende, die sich um dein körperliches Wohl kümmern, sind doch eigentlich besser als solche, die auf deine Sicherheit achten müssen. Hatte ich auch schon – aber das ist eine Geschichte für einen der nächsten Blogbeiträge. 

    Und noch etwas war anders als in meiner Vorstellung. Etwas, das ich nie zu träumen gewagt hatte. Ich kam in Begleitung. Nicht von irgendwem. Sondern in Begleitung eines wunderschönen  Mannes – der außerdem auch noch unverschämt gut aussah. Immer noch aussieht. Denn er ist nach wie vor ein wichtiger Teil meines Lebens. Und unser gemeinsames erstes Mal im The Ritz-Carlton Wolfsburg endete anders als ich es mir in meinen kühnsten Träumen hätte ausmalen können.

    Ankunft im The Ritz-Carlton Wolfsburg

    Doch auch der Auftakt unseres Besuchs war beeindruckend. Bereits beim ersten Betreten wurden wir an der Rezeption mit Namen begrüßt. (Okay, kein wirkliches Kunststück. Erfahrungsgemäß übernachten leider viel zu selten Menschen im Rollstuhl in solchen Luxushotels.) Danach wurden wir in die Clublounge begleitet. Denn auch wenn das barrierefreie Zimmer leider nicht auf der Club-Etage lag, hatte ich es mir nicht nehmen lassen, dieses Upgrade zu buchen. Wenn schon The Ritz-Carlton, dann doch alles mitgenommen, was geht. Trotz der hochwertigen, modernen Einrichtung wirkte alles unglaublich entspannt und gemütlich. Überall beige Farbtöne, natürliche Materialien und dicke Teppiche. Nicht nur die Dame an der Rezeption kannte uns offenbar. Sämtliche Hotelangestellten, denen wir während unserer Aufenthalte begegneten, sprachen uns mit Namen an.

    In der Lounge wurden wir vom verantwortlichen Manager für die VIP-Gäste begrüßt. Praktischerweise der Koch, so dass er sich gleich noch einmal über meine speziellen Bedürfnisse beim Essen erkundigen konnte.

    Ich will dazu hier gar nicht zu sehr ins Detail gehen. Nur so viel: ich ernähre mich grundsätzlich und hauptsächlich über eine Magensonde. Zu besonderen Anlässen und wenn ich mich entsprechend (fit und ausgeruht) fühle, esse ich speziell zubereitete (pürierte) Nahrung in kleinen Mengen oral (also durch den Mund). Wer an weiteren Details interessiert ist, kann gerne mal hier schauen – dort betreibe ich einen ganzen Blog rund um dieses Thema.

    Auf dem Zimmer angekommen, zeigte sich, dass sie im Hotel (zusätzlich zum Namen lernen) ihre Hausaufgaben gemacht hatten. Auf meinen Freund warteten Obst und ein paar Pralinen; auf mich ein Saft und ein Fruchtpüree. Es sind eben Details, die den Unterschied machen. 

    Bevor wir dann zum Abendessen wieder in die Lounge hoch fuhren, verließen wir aber noch einmal das Ritz-Carlton. Denn ich bin ein hoffnungsloser Romantiker und hatte noch etwas ganz besonderes für unsere Auszeit zu zweit vorbereitet.

    Sterne nur für uns

    Aus meiner Kindheit wusste ich, dass es in Wolfsburg noch einen anderen, sehr coolen Ort gab. Allerdings habe ich ihn, wenn ich mich richtig erinnere, nur zwei Mal besucht. Einmal zusammen mit meinem Papa und einmal im Rahmen eines Klassenausfluges. An diesem Abend, wollte ich mit meinem Freund hierher kommen. Leider fanden zu dieser Uhrzeit aber keine regulären Veranstaltungen mehr statt. 

    Aber wenn ich mich in meinem Leben immer daran gehalten hätte, was andere für möglich halten, würde ich heute nicht mehr hier sitzen und diese Zeilen schreiben. Schon in der Rede bei meiner Abi-Entlassung (die übrigens nur rund 25 km entfernt stattgefunden hatte) postulierte ich: „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg – notfalls wird ein neuer angelegt!“
    Und ich wollte meinem Freund und mir die Sterne vom Himmel holen.

    Ob mir das gelang, lest ihr dann im nächsten Beitrag von „alles mitgenommen in Wolfsburg“. Erfahrt außerdem warum ein Audi R8 beinahe für Tinnitus gesorgt hat – und warum ein Rasensprenger unseren romantischen Abend ruiniert hat.

    Folgt mir gerne auch auf Instagram, damit ihr nichts mehr verpasst.

    Fortsetzung folgt …